|
Ein Kinderheim in Nigeria…
…steht seit einiger Zeit im Blickpunkt des Interesses von Angehörigen der Pfarreiengemeinschaft Antweiler, Barweiler, Kirmutscheid, Dorsel und Aremberg, aber auch weiterer Kreise im Adenauer Land. Der
katholische Pfarrer Dr. John Okoro aus Nigeria, der in der Pfarreiengemeinschaft bereits zweimal Urlaubsvertretung gemacht hat, ist Initiator eines Kinderhilfsprojektes in Nigeria. Er hat dort einen
Gebäudekomplex erworben, der nach Fertigstellung ein Kinderheim für Waisen- und Straßenkinder, aber auch weitere Einrichtungen enthalten soll, z.B. eine Schule für Kinder, deren Eltern das Schulgeld
nicht zahlen können. Die Schule wird konfessionslos allen offen stehen. Von großer Bedeutung wird eine Ausbildungsstätte im Gebäudekomplex sein, die der Berufsausbildung (z.B. zu Näherinnen) der
Betreuten dient. Somit wird Hilfe zur späteren Selbsthilfe geleistet. Zur Verbesserung der medizinischen Situation in der Region soll mittelfristig ein Krankenfahrzeug angeschafft werden, des Weiteren
ist eine kleine Kapelle in Planung und ein Priesterseminar für Priesteramtsstudenten.
Im Adenauer Land wurde mehrfach für dieses Anliegen gesammelt, wurden Spendengelder aus mehreren Aktionen weitergeleitet. Besucherinnen hatten vor Ort das Bauprojekt in Augenschein genommen, erst
kürzlich weilte Heidi Brodam aus Antweiler in Nigeria zu Gast. Sie landete nach mehr als achtstündigem Flug in Abuja, fuhr weitere acht Stunden über abenteuerlich anmutende Straßen nach Umuozu,
wo Dr. Okoro in dem kleinen Dorf wohnt. Sie berichtet von der Not der Menschen, die unter für hiesige deutsche Verhältnisse kaum vorstellbaren sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen leben. Strom und
fließendes Wasser, insbesondere Trinkwasser, sind Mangelware. Nutzwasser wird aus Regenwasser bevorratet, die Stromversorgung auf dem Lande, soweit überhaupt vorhanden, erfolgt über Generatoren. Dr.
Okoro benötigt dringend einen gebrauchstüchtigen Generator für das Pfarrheim, das vorhandene Aggregat ist zum wiederholten Male defekt und derart veraltet, dass eine erneute Reparatur nicht mehr
möglich ist. Weder Ventilatoren noch Kühlschränke (bei Temperaturen von durchaus über 40 Grad Celsius) oder der Bürocomputer können betrieben werden. Heidi Brodam hat selbst vor Ort im Pfarrheim
gewohnt, kann aus eigener Erfahrung die Notlage der Menschen vor Ort bestätigen.
Dringend erforderlich ist die Bohrung von Brunnen, damit trinkbares Wasser in ausreichender Menge zur Versorgung der Bewohner vorhanden ist. Vor Ort konnten durch Spendengelder Baumaterialien erworben und
eingelagert werden, der Fenstereinbau in dem Gebäude ist weitestgehend erfolgt, die Sanitärarbeiten und manches mehr müssen noch angegangen werden. Die Arbeiten werden größtenteils durch
einheimische Dorfbewohner ausgeführt, die durch diese Arbeitsmöglichkeit in bescheidenem Ausmaß selbst einen kleinen Beitrag zur eigenen Existenzsicherung für ihre Familien erwirtschaften können.
Das Projekt wird bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen, die inzwischen erfüllt sind, durch die deutsche „miserior“ mit unterstützt. Dr. Okoro hilft vor Ort selbst mit, so gut er dies neben
seinen umfangreichen seelsorgerischen Aufgaben in seinem sehr großen Einzugsgebiet bewerkstelligen kann. Gelegentlich, so sagt er, befürchte er ein Nachlassen der Spendenbereitschaft in der
Bevölkerung, die ungünstigstenfalls das gesamte Projekt zum Stillstand verurteilen würde. Die bislang geleistete wertvolle Aufbauarbeit, das Engagement vieler, würde dann womöglich nicht mehr zum
doch von allen so erhofften und gewünschten Ziel führen. Auch nach der Fertigstellung fallen natürlich Unterhaltungskosten an. Die Sorge um das Gelingen des Projektes beschäftigt Dr. Okoro
sehr, er hängt mit ganzem Herzen an dem Projekt, so betont er immer wieder.
Spenden könnten aus der misslichen Situation helfen. Die Menschen vor Ort sind sehr dankbar für Hilfe aus Deutschland, wie Dr. Okoro immer wieder berichtet. So wurden Medikamentenlieferungen
hiesiger Apotheken und die Sammlung alter Brillen durch die Adenauer Optiker-Fachgeschäfte Stetter und Kiupel sehr dankbar angenommen, haben hilfreich zur Versorgung beigetragen.
Das Projekt von Dr. Okoro befindet sich im südlichen Teil Nigerias, in der Stadt Okigwe, nach den seinerzeitigen „Biafra“-Bürgerkriegsunruhen wird dieser Landesteil auch heute noch nicht voll von
der Zentralregierung Nigerias unterstützt. Damals wurde der Stamm der Ibu, dem Dr. Okoro angehört, systematisch verfolgt, Tausende Menschen verloren ihr Leben, die psychologischen Nachwirkungen sind
allerorten noch zu spüren. Nigeria ist mit rund 133 Mio. Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas, wurde 1960 nach einem Jahrhundert britischer Oberhoheit unabhängig, erst 1999 folgten nach
den unseligen Militärdiktaturen freie Wahlen zu einer demokratischen Verfassung, die allerdings nicht nach unseren Maßstäben zu beurteilen ist. Erheblicher Bedarf besteht hinsichtlich des Ausbaus
einer funktionierenden Infrastruktur, die Korruption im Beamtenapparat ist (noch) schwer in den Griff zu bekommen, das Bildungssystem ist dringend reformbedürftig, die medizinische Versorgung des
Landes, das immer noch unter Seuchen leidet, ist völlig unzureichend strukturiert.
Dr. Okoro bittet nochmals um weitere Hilfe für das Projekt, das in seiner Zielsetzung vielen bedürftigen Menschen in Nigeria eine kleine Perspektive eröffnen kann. Wer hilft mit? Spenden sind
möglich auf Konto Nr. 620 1954 01 bei der Volksbank RheinAhrEifel (BLZ 577 615 91), „Stichwort: Kinderheim - Dr. Okoro“. Ab Juli bis September wird Dr. John Okoro aller Voraussicht nach erneut in
der Pfarreiengemeinschaft seinen Dienst versehen. Er wird sich persönlich bei den Spendern bedanken.
Bildunterschriften:
Heidi Brodam in Okigwe, die Damen tragen zum Teil Brillen aus der Adenauer Sammlung
In diesem Gebäude wird das Projekt von Dr. Okoro Aufnahme finden
Ohne Brunnen ist die Wasserversorgung ein zentrales Problem, Bevorratung in Kanistern ist erforderlich
Auch diese drei Waisenkinder sind dankbar für Hilfe
Im „Supermarkt“
Text: Werner Dreschers
Fotos: Heidi Brodam
|