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Zwischen den Jahren – Antweiler Mühlenkonzerte
Auch in diesem Jahr war die Mühle in Antweiler Austragungsort einer Konzertreihe „zwischen den Jahren“. Nach dem großen Ersterfolg im vergangenen Jahr hatte Veranstalter Ekkehard Welkens aus
Aremberg renommierte internationale Künstler diesmal gleich für fünf Tage verpflichten können. Der alte Kornspeicher der Mühle, sie steht im Eigentum von Ewald Gillig aus Antweiler, einem
leibhaftigen Müllermeister, wurde für fünf Tage in einen Konzertsaal verwandelt. Die optimalen akustischen Eigenschaften des Kornspeichers mit viel Holz im Innenausbau sind bekannt. „1668“ lautet
eine Balkeninschrift an der Mühle, sie trägt das Wappen des Herzogs von Aremberg, im Jahre 1892 gelangte die Mühle nach wechselnden Besitzverhältnissen in das Eigentum der Familie Gillig.
Wiederum hatten ortsansässige und überregionale Sponsoren, unter ihnen viele Privatpersonen, mitgeholfen eine höchst anspruchsvolle Musikveranstaltung in der Region zu unterstützen, zum Wohle von
Musikliebhabern, auch zum Nutzen der Region, die Veranstaltung gewinnt auch unter dem Aspekt anspruchsvoller touristischer Attraktivitäten zusehends an Bedeutung. Ministerpräsident Kurt Beck hatte
persönlich die Schirmherrschaft übernommen, er lobte in seinem Vorwort ausdrücklich die private Initiative zu der Veranstaltungsreihe.
Harumi Nishimura, Klavier, und Sophie Heinrich, Violine, eröffneten den Konzertreigen am 27. Dezember mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) und Robert Schumann (1810 – 1856). Die
Japanerin erwarb nach Abschluss eines akademischen Musikstudiums zahlreiche Preise, so ist sie Preisträgerin des japanischen Kammermusik-Hochschulwettbewerbes, sie lebt in Deutschland und verbindet nach
dem Abschluss des Konzertexamens ihre Arbeit mit der Deutschen Oper in Berlin. Sophie Heinrich nahm bereits mit vier Jahren Geigenunterricht. Auch sie ist Trägerin hoher nationaler und internationaler
Auszeichnungen. Orchesterarbeit verbindet sie mit den „Berliner Philharmonikern“. Sie spielte auf einer Violine aus der „Deutschen Stiftung Musikleben“, einem aus dem Jahre 1840 stammenden
Instrument von Gian Francsco Pressenda, Turin. Die Sonate für Klavier und Violine B-Dur KV 454 und das Rondo G-Dur aus der Haffner-Serenade KV 250, Spätwerke des Salzburger Meisters und das
Intermezzo F-Dur aus der F.A.E.-Sonate sowie die Sonate fĂĽr Violine und Klavier Nr. 2 d-moll op. 121 des rheinischen Robert Schumann, der zum Haupt der poetisch-musikalischen Romantik wurde, wurden
meisterlich dargeboten und ernteten lebhaften Beifall des Auditoriums. Die Bühne war puristisch dekoriert, nichts sollte vom musikalischen Geschehen ablenken. Der Yamaha-Flügel (Typ „Salonfügel“)
war nur mit großem Aufwand und viel Geschick sowie der Hilfe eines kräftigen Gabelstaplers in den Kornspeicher zu heben gewesen.
Ein Liederabend war am Folgetag angesetzt. Die Sopranistin Elisa Fenner, sie studierte in Berlin Operngesang an der Musikhochschule Hanns Eisler, ist Trägerin des Lotte-Lehmann-Förderpreises, hatte
bereits Auftritte in der Berliner Philharmonie, und der aus Lissabon stammende David Santos, ein international renommierter Liedbegleiter und Kammermusiker mit Konzerterfahrung beim Portugiesischen
Symphonieorchester führten Werke von Franz Schubert (1797 – 1828), Robert Schumann und Johannes Brahms 1833 – 1897) auf. Liebe, Gefühl, Sehnsucht waren die blumig dargestellten Themen der
Schubertschen Werke. Auch die Vertonung des Goethe-Werkes „Gretchen am Spinnrade“ zählte zum Reigen der Lieder. Schumanns Vertonung der Werke aus Goethes „Wilhelm Meister“, so die „Lieder der
Mignon“ entstanden seinerzeit vor dem Hintergrund von Goethes 100. Geburtstag. Die „Acht Zigeunerlieder“ von Johannes Brahms knüpfen bewusst an die Popularität der „Ungarischen Tänze“ an.
Beide Interpreten fanden höchste Anerkennung für ihre Darbietung, Applaus über Applaus!
Das „Emanon-Trio“ bestehend aus Erik Borgir, Cello, Tobias Hartlieb, Piano, und seiner Schwester Jessica Hartlieb, Violine, ist 1995 entstanden. Neben dem klassischen Repertoire pflegt das Trio seine
Beziehungen zu Komponisten der Gegenwart. Gleich ein Jahr nach der GrĂĽndung errang das Trio den ersten Preis beim Internationalen Johannes-Brahms-Wettbewerb in Ă–sterreich! Felix Mendelssohn-Bartholdy
(1809 – 1847) und Franz Schubert waren die Komponisten, denen sich das Trio am 29. Dezember widmete. Das Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 2 c-moll op. 66 wurde 1845 im Leipziger
Gewandhaus uraufgeführt. Veranlasste bereits dieses Werk zu begeistertem Applaus, so führten die nach der Pause vorgetragenen Schubertschen Werke „Adagio für Klavier, Violine und Violoncello
Es-Dur („Notturno“) op. Post. 148 und das Trio Nr. 1 B-Dur op. 99 zu wahren Begeisterungsstürmen im Auditorium, lang anhaltender Beifall und „standing ovations“ waren mehr als wohlverdient
für eine außergewöhnliche Aufführung!
Mit virtuosen Kompositionen erfreuten am Samstag, 30. Dezember die beiden gebürtigen Bulgaren Dimiter Ivanov, Violine, und Georgi Cherkin, Piano, das Publikum. Werke von César Franck (1822 – 1890),
Claude Debussy (1862 – 1918), Frédéric Chopin (1810 – 1849), Camille Saint-Saens (1835 – 1921), Isaac Albéniz (1860 – 1909), Robert Schumann und Pablo de Sarasate (1844 – 1908) brachten
musikalische Vielfalt, ebenfalls meisterlich dargeboten von den beiden Bulgaren, die höchste nationale und internationale Auszeichnungen ihr eigen nennen können. Als Zugabe für den kräftigen Beifall
spendierten die beiden anlässlich des Beitritts Bulgariens zur Europäischen Gemeinschaft zum Neujahr ein populäres bulgarisches Stück, das Dimiter Ivanov als eine Art „zweite bulgarische
Nationalhymne“ bezeichnete.
Klavier solo zum Sylvesterabend, Werke von Johannes Brahms standen auf dem Programm. Der gebürtige Mexikaner Rodrigo Barajas gab „Zwei Rhapsodien“ op. 79, die Fantasien op. 116 und die Sonate Nr. 3
f-moll op. 5. Waren vor Konzertbeginn Befürchtungen laut geworden, Brahms sei möglicherweise zu schwer verdauliche Kost für den Sylvesterabend, so stand bereits nach den Rhapsodien fest, das das
musikalische Menu ganz im Gegenteil ausgezeichnet ausgewählt war! Kraftvoll, energisch, rhythmisch-prägnant präsentierte Rodrigo Barajas, international ausgezeichneter Preisträger und Meisterschüler
bedeutender Pianisten, Brahms vom Allerfeinsten, dem gebĂĽrtigen Mexikaner gebĂĽhrte wohlverdient lang anhaltender Applaus eines begeisterten Auditoriums.
Dank des Veranstalters Ekkehard Welkens an alle Musiker der Konzertreihe, Dank an Ewald Gillig und die Sponsoren, Dank an ein begeistertes Publikum, das sich groĂźenteils als Kenner der klassischen
Musikszene erwiesen hatte! Dank an Ekkehard Welkens für seine private Initiative, die abseits öffentlicher und offizieller Veranstaltungsreglements Erfolg gekrönt war! Antweiler kann auf ein
hochkarätiges und unvergessliches Musikerlebnis zurückblicken. In die guten Wünsche zum Jahreswechsel sollte daher unbedingt der enthalten sein, dass auch zum Jahresausklang 2007 wieder „Zwischen
den Jahren“ in der Antweiler Mühle stattfinden möge, wir haben es verdient!
Text und Photos: Dreschers
Bildunterschriften:
Harumi Nishimura und Sophie Heinrich
David Santos und Elisa Fenner
Das „Emanon“-Trio, Tobias Hartlieb, Erik Borgir und Jessica Hartlieb
Festschmuck an der MĂĽhle Gillig in Antweiler
Dimiter Ivanov und Georgi Cherkin
Rodrigo Barajas
Ekkehard Welkens und Ewald Gillig
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