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„Das Müllerleben hat Gott gegeben…“
DR. …so lautet ein überlieferter Spruch, den die zahlreichen Besucher der Mühle von Müllermeister Ewald Gillig am Pfingstmontag anlässlich des 14. Mühlentages im
Innern der Mühle in Antweiler lesen konnten. “…doch das Steine schärfen und das Mahlen bei Nacht, das hat der Teufel erdacht“, lautet der Satz vollständig. Die Faszination der technischen
Raffinesse der vorindustriellen Zeit ist sehr wohl gepaart mit einem emotionalen Bezug zum Müllerhandwerk, hunderte Besucher kamen nach Antweiler und hatten gespannte Erwartungen an die Mühle und ihre
Geschichte.
In stündlichen Führungen erklärte Ewald Gillig die einzelnen Bestandteile der Mühle, vom Anliefern des Korns über die verschiedenen Arbeitsgänge bis zum backfertigen Mehl konnten die Besucher den
Ablauf des Mahlens nachvollziehen, die einzelnen Elemente ratterten und schnauften gelegentlich recht lautstark, denn die Mühle ist trotz ihres hohen Alters noch betriebsbereit. Genutzt wird sie
allerdings nur noch zu Demonstrationszwecken. Über drei Ebenen erstreckt sich die höchst aufwändig konstruierte Mechanik, lässt erahnen, welcher Arbeit und handwerklicher Kunst der Bau der
Mühle bedurfte – und auch ihr Betrieb. Bis zum Jahre 1976 wurde dort Korn gemahlen, heute dient die aufwändig umgebaute Mühle der Stromerzeugung, eine Turbine liefert Strom ins Netz des RWE. Die
Turbine, die zwei ehemalige unterschlächtige Wasserräder ersetzt, wurde bereits am 27. Oktober 1913 in Betrieb genommen. Antweiler kam damals dieserart als erster Ort der Umgebung in den Genuss einer
Gleichstromversorgung.
Eine Inschrift in einem Balken mit der Jahreszahl 1686 gibt Hinweise auf die Ursprünge des Müllerbetriebes. Die Mühle stand seinerzeit im Besitz der Herzöge von Aremberg, an der Stelle befand sich
zunächst ein Eisenverhüttungswerk, denn es gab in der Gegend Eisenerz, genügend Holz und Wasserkraft durch die Ahr. Manche kunstvolle Takenplatte wurde hier gegossen. „Auf der Hütte“ lautet heute
noch die Straßenbezeichnung am Standort der Mühle.
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Mühle in privaten Besitz, nach anderen Vorbesitzern ging die Mühle 1892 in den Besitz von Familie Gillig über, die den Betrieb in 4. Generation fortführt,
Ewald Gillig legte im Jahre 1965 seine Müllerprüfung ab.
Im Jahre 2005 erfüllte sich Ewald Gillig einen persönlichen Wunsch durch den Einbau eines neuen Wasserrades. Fast fünf Tonnen schwer ist das Rad aus Holz, das in der Gegend geschlagen wurde. Es dreht
sich gemächlich in einem Abzweig der Ahr und gibt dem Mühlengebäude ein zusätzlich attraktives und authentisches Ambiente, markiert einen vorläufigen Endstand einer jahrhundertealten Tradition eines
lebenswichtigen Handwerks.
Der Pfingstmontag hat sich als Mühlentag etabliert, der 14. Deutsche Mühlentag, gefördert durch die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. hatte überregional guten
Besucherzulauf, landesweit standen etliche Mühlen zur Besichtigung offen.
In Antweiler gestaltete Blasmusik das Rahmenprogramm, der Erlös aus dem Fest fließt dem gemeinsamen Jugendorchester der Ausbildungskooperative der „Limbachtaler Musikanten“, „Blasorchester Stadt
Adenau“ und „Blasorchester Insul“ zu. Die so genannte „Swinging Youth Band“ überzeugte vor Ort durch gekonnte Beiträge, die den bereits erworbenen hohen Ausbildungsstand des Jugendorchesters
eindrucksvoll unter Beweis stellten. Ein Streichelzoo und die Möglichkeit zum Reiten begeisterten die Kinder. Der Schulleiter der Margaretha-von-Aremberg-Grundschule, Heinz Werthessen, vermittelte in
einem sehr lehrreichen und gehaltvollen Lichtbild-Vortrag Wissenswertes über Bildstöcke und Kreuze in Antweiler.
Und um das leibliche Wohl der Besucher kümmerte sich eine Vielzahl von fleißigen Helferinnen und Helfern. Allen Mitwirkenden galt herzlicher Dank.
Photos: Dreschers
2099 Müllermeister Ewald Gillig (re.) erläutert Geräte zum Bearbeiten des Mühlsteins
2148 Drei fleißige „Müllerinnen“
2161 Harrie Boers leitete das Jugendorchester „Swinging Youth Band“
2160 Das Wasserrad wurde 2005 rekonstruiert
2183 Ein Mühlrad im Größenvergleich
2135
2185 Reges Besucherinteresse galt dem Mühlrad
2131 Eine aufwändige Mechanik im Inneren der Mühle
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