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Defizit

AufmerksamkeitsDefizit/Hyperaktivitäts Syndrom

DR.      „ADS“ oder „ADHS“ nennt sich ein ausgeprägt unaufmerksames, teilweise auch impulsives Verhalten, das über einen längeren Zeitraum auftritt, wobei die gezeigten Verhaltensauffälligkeiten nicht dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen…

Zu einem Referat über dieses Thema hatte der Förderverein der Margaretha von Arenberg-Grundschule in Antweiler die Adenauer Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie Dr. med. Karin Boeder eingeladen, einige Dutzend Eltern, Lehrer und Erzieherinnen waren der Einladung gefolgt, hörten mit Interesse die Ausführungen der Ärztin und diskutierten im Anschluss, trugen entsprechende Erfahrungen mit ihren Kindern oder Schülern vor. Die Referentin ging auch auf allgemeine Schulleistungsstörungen ein.

Zwischen ADS und ADHS treten Mischtypen auf. Die betroffenen Kinder können ihre Aufmerksamkeit nicht gezielt ausrichten, sie zeigen Mängel in ihrer Konzentrationsfähigkeit. Dies macht sich im Kindergarten oder in der Schule, aber auch im familiären oder Freizeitbereich bemerkbar. Sie machen nichts zu Ende, können nicht abwarten, reden oft übermäßig viel, neigen zu Gefühlsausbrüchen, zeigen eine ausgeprägte motorische Unruhe. Durch individuelle psychosoziale Bedingungen kommt es zu der Störung der Selbstregulation, die sich als Aufmerksamkeitsschwäche, übermäßige Impulsivität und Unruhe bemerkbar macht. Dies führt zu negativen Kontakten mit Bezugspersonen (Eltern, Lehrer ...), es entstehen zusätzliche Symptome wie Aggressivität, Ängste, Traurigkeit.

Forschungsergebnisse haben gezeigt, daß beim Vorliegen von AD(H)S die Weiterleitung und –verarbeitung zwischen verschiedenen Hirnsabschnitten fehlerhaft funktioniert, mit der Folge einer erheblichen Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit. Aber auch ADS bzw. ADHS-betroffenen Kinder können durchaus Hochbegabungen in verschiedenen Bereichen aufweisen. Lese-Rechtschreibschwäche oder Rechenmängel (Dyskalkulie) sind verbreitet. Bei der Ursachenforschung verdichten sich die Anzeichen, daß ADS vererblich ist. Man geht auch  davon aus, daß eine dauerhafte Reizüberflutung und ein hierdurch ständiger Stress ursächlich für die Symptome sind.

Bei der Therapie wird sowohl die Ansicht vertreten, daß grundsätzlich eine medikamentöse Behandlung möglich ist als auch diejenige, daß nicht Medikamente, sondern veränderte Erziehungsmaßnahmen zum Erfolg führen. In der Praxis wird wohl eine individuelle Therapie beide Ansätze je nach der individuellen Disposition zu berücksichtigen haben, damit die persönlichen Defizite behandelt werden können. Bei der medikamentösen Therapie (etwa mit Psychostimulantien) ist zu berücksichtigen, daß Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Kopf- und Bauchschmerzen, aber auch eine gesteigerte Aggressivität Folge sein können. Die Wahl des Medikamentes wird des Öfteren überprüft werden müssen. Eine Heilung erfolgt nicht dauerhaft, sondern (nur) während der Dauer der Einnahme der Medikamente. Behandlungsansätze nichtmedikamentöser Art erfolgen pädagogisch und psychotherapeutisch beim Kind selbst, in der Familie, bei den Bezugspersonen, in der Schule.

Die Behandlungsprinzipien sehen vor Regelmäßigkeit und eigene Verlässlichkeit zu schaffen. Erwünschtes Verhalten des Kindes soll belohnt werden, unerwünschtes ignoriert werden. Klare Regeln helfen, bei deren Verstoß müssen sofortige Konsequenzen folgen.

Dr. Karin Boeder ging im weiteren Verlauf ihres Referates auf spezifische Lernstörungen und Entwicklungsstörungen ein, welche die Motorik, die Sprachentwicklung, das Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen betreffen. Sie erläuterte die diagnostischen Kriterien, ging auf seelische Folgeschäden bei den Kindern ein. Sie stellte Therapieansätze vor.

Wichtig ist, daß die betroffenen Kinder keine Schuldgefühle bekommen, Motivationsförderung hilft ihnen sich selbst zu helfen. Eine Einzeltherapie, so sie möglich ist, gilt der Gruppentheorie als überlegen. Das Wohl der Kinder erfordert, daß rechtzeitig nach der Diagnose gehandelt wird, ärztliche Beratung ist erforderlich, weitere Hilfsangebote sollten in Absprache in Anspruch genommen werden.

Peter Richrath und Josy Zeyen, Vorstand des Fördervereins der Grundschule, dankten der Referentin für den informativen und engagierten Vortrag herzlich.

Photo:   Dreschers

2681a    Dr. med. Karin Boeder, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, referierte

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