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Konzertserie

Zwischen den Jahren – Kammermusik in der Antweiler Mühle

Zum dritten Mal in Folge fanden die Kammerkonzerte zum Jahresausklang in der Antweiler Mühle statt, „Zwischen den Jahren“ hat Initiator und Organisator Ekkehard Welkens aus Aremberg das Kammermusikfest benannt. Ein anspruchsvolles Programm mit hochkarätigen Musikern zog an jedem der fünf Abende bis zu 100 Liebhaber und Kenner klassischer Musik nach Antweiler. Der Kornspeicher der Mühle, die im Eigentum von Ewald Gillig, Müllermeister und Betreiber eines Landwarenhandels, steht, erreicht damit seine Raumgrenzen.

Ministerpräsident Kurt Beck hatte wieder die Schirmherrschaft übernommen, die Kammermusikkonzerte „Zwischen den Jahren“ haben auch überregional große Bedeutung erreicht, sie stellen einen nicht mehr wegzudenkenden Beitrag im  Kulturleben der Hocheifel dar. „Zwischen den Jahren“ ist eine Privatinitiative mit dem Ziel ein anspruchsvolles Forum für Kammermusik zu schaffen, und hiermit gleichzeitig junge Profimusiker zu fördern. 

Der alte Kornspeicher der intakten Mühle ist das Herzstück des Anwesens, das früher einmal im Eigentum der Herzöge von Aremberg stand, später von Vorfahren der Familie Gillig erworben wurde. Die Jahreszahl 1686 in einem Balken lässt die Geschichtsträchtigkeit der Mühle erahnen, in historischer Verbundenheit hatte sich auch S.D. Prinz Leopold von Arenberg in einem Vorwort an die Besucher gerichtet und der Veranstaltung ein gutes Gelingen  gewünscht.

Bei entsprechender Witterung ist das vor drei Jahren neu installierte Mühlrad mit Eis überzogen, es verleiht dem historischen Gebäude zusätzlich eine malerisch-romantische Note. Große Mengen verbautes Holz im Kornspeicher bewirken ein optimales Resonanzverhalten, die akustischen Eigenschaften des Kornspeichers gelten in Musikerkreisen als überzeugend, die Musiker waren voll des Lobes für die raumakustischen Gegebenheiten.

Ein wenig abenteuerlich gestaltet sich jeweils der Transport des Flügels (Typ Yamaha-C) auf die Bühne des Kornspeichers, wohl überlegt muss er, durch Fachkräfte teilweise zerlegt, mit Hilfe von Gabelstaplern auf den Speicher gehievt werden. Traditionell unprätentiös ist die Bühnengestaltung, lediglich ein ansprechendes Blumenarrangement dient als Bühnenschmuck in dem behaglich anmutenden Saal, der bereits für viele kulturelle Begebenheiten seine Eignung bewiesen hat.

Mit einem Streichquintett begann die Konzertreihe am ersten Nachweihnachtstag. Das „Ensemble Incendo“, Dimiter Ivanov (Violine), er musizierte auch im Vorjahr in der Mühle, Maria Kogge (Violine), Manon Gerhard (Viola), Ehrengard von Gemmingen (Violoncello) sowie Wolfgang Boettcher (Violoncello),  ehemaliger Solocellist der Berliner Philharmoniker, gaben das Streichquartett op.38 von George Onslow (1784-1853) und das Streichquintett in C-Dur D 956 von Franz Schubert (1797-1828). Statt der zweiten Viola wurde in beiden Werken einem zweiten Violoncello der Vorzug gegeben. Effekt war, dass in klangvoller hoher Lage das Cello eine melodische Rolle zusätzlich übernehmen konnte, klanglich gleichberechtigt mit derjenigen der ersten Violine. George Onslow hat eine Vielzahl von Streichquartetten und –quintetten komponiert, das dargebotene Werk fußt auf dem Erlebnis seines unglücklichen Jagdunfalls, den der Komponist bewusst im Werk thematisiert, „Schmerz, Fieber, Delirium“ heißt etwa die Überschrift des zweiten Satzes, „dissonante Akkorde, eine überraschende Chromatik und energischer Rhythmus“ lassen das Trauma widerspiegeln. Das Schubertsche Streichquintett gilt als ein ganz großes Werk der kammermusikalischen Literatur. Kurz vor Schuberts Tod entstanden, „eignen ihm die Merkmale seines Spätstils, wie weiträumiger Formenreichtum, harmonische Kühnheit und ein vom Lyrisch-Unschuldigen bis zum Höchstdramatischen reichendes Ausdrucksspektrum“. Überzeugte „Incendo“ bereits deutlich, so setzte Wolfgang Boettcher dem Ganzen quasi „altmeisterlich“ noch das i-Tüpfelchen auf.

Der zweite Abend stand im Zeichen der Harfe. Konstanze Jarczyk führte Werke einer Vielzahl von Komponisten auf, darunter Georg Friedrich Händel (1685-1759), Antonio de Cabezon (1610-1666), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Johann Ladislaus Dussek (1760-1812), John Thomas (1826-1913), Gabriel Pierné (1863-1937) und Claude Debussy (1826-1918), zusätzlich Werke anonymer Komponisten. Die Künstlerin verstand es ausgezeichnet das jeweils Charakteristische der Originalstücke für Soloharfe wie der Bearbeitungen von ursprünglich für andere Instrumente komponierten Stücken zu vermitteln, sie wechselte zwischen zwei Instrumenten, nutzte deren Facettenreichtum, zog die Besucher von Anfang an durch konzentriertes und lebendiges Spiel, durch Wohlklang und Harmonie in den Bann. Auf reges Interesse stießen die Erklärungen der Musikerin nach Ende des Konzertes zum Aufbau der Instrumente und zu den Unterschieden etwa der keltisch-schottischen Harfe (Typ „Camac“) mit gebogenem Baum im Vergleich zur Doppelpedalharfe (Typ „Salvi“), wie sie üblicherweise im Konzertbereich eingesetzt wird, bis zu 1,90 m Höhe und fast einen Zentner Gewicht erreicht ein derartiges Chordophon. Die große Konzertharfe, ein auch optisch ansprechendes Instrument aus edlen Hölzern und einer Schweizer Präzisionsmechanik, verkörperte den Gegenwert eines gepflegten Mittelklassewagens! Konstanze Jarczyk ist u.a. eine stark nachgefragte Dozentin für das Fach Harfe.

Traditionell zählt auch ein Liederabend zum Kammermusikgeschehen in Antweiler. Dieser Part fiel an den gebürtigen Polen Tomasz Wija, der von David Santos am Klavier begleitet wurde. David Santos gehört zum Stamm der Musiker in der Mühle, er war bereits zum dritts en Mal aktiv dabei. Werke von Robert Schumann (1818-1856) und Franz Schubert (1797-1828) gehörten zum Programm ebenso wie Kompositionen von Franz Liszt (1811-1888), Johannes Brahms (1833-1887), Wolfgang Fortner (1807-1887) und Gerald Finzi (1801-1851). Kreisten die ersten Lieder um das Thema Wasser (durchaus passend zum Austragungsort), so beschäftigte sich das Programm nach der Pause mit Vertonungen von Liedern nach Theaterstücken von William Shakespeare. Die Werke von Fortner und Finzi unterscheiden sich, obwohl die Komponisten der gleichen Epoche angehören, erheblich. „Kennzeichnen freitonale Klanggestik und große rhythmische Prägnanz das Liedschaffen des ersteren, so ist  eine fein-lyrische Musiksprache mit vorwiegend diatonischer Harmonik dem Schaffen des englischen Komponisten zu eigen“, heißt es im ansprechend gestalteten Programmheft. David Santos nahm seine Aufgabe als Begleiter mit hoher Sensibilität wahr, Tomasz Wija gab eine meisterliche Interpretation in sowohl tiefer Innerlichkeit als auch mit überzeugend temperamentvollem Ausdruck.

Klavier solo nahm den vierten Abend ein, der von dem bulgarischen Pianisten Georgi Cherkin, ebenfalls ein Altbekannter in Antweiler, bestritten wurde. Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach (1685-1750), in einer Bearbeitung von Ferrucio Busoni (1866-1924), die Paganini-Variationen op. 35 in a-moll von Johannes Brahms (1833-1897), Franz Schuberts (1797-1828) Impromptu Nr. 4 in As-Dur op. 90 und das Prélude Nr. 2 in fis-moll op. 3 von Sergej Rachmaninov (1873-1843) riefen ebenso Begeisterung hervor wie die nach der Pause zu Gehör gebrachten Werke von Peter Iljitsch Tschaikowski (1840-1883) aus dem Zyklus „Die Jahreszeiten“, op. 37 b oder die Sonate in h-moll von Franz Liszt (1811-1883), kraftvoll und energisch agierte der Pianist, mit rhythmischer Prägnanz, die opulente Klangfülle traf das Mark der Zuschauer, chapeau!

Tobias Hartlieb (Klavier), u.a. Gründungsmitglied des „Emanon-Trios“, ebenfalls zum Stamm der Antweiler Konzerte gehörend, und Wolfgang Auer (Querflöte) war der Sylvesterabend zugedacht. Mit Suiten und Sonaten von Johann Sebastian Bach (1685-1750), teils als solistische Beiträge für Klavier und Querflöte, nahm die diesjährige Konzertreihe „Zwischen den Jahren“ ein markantes und gehaltvolles Ende. Thomas Hartlieb bewies erneut seinen extrem disziplinierten und akkuraten Stil, überzeugte bei bezwingender Deutlichkeit mit farbenreichem Klang, Wolfgang Auer hatte ebenfalls von Anbeginn an die Zuhörer mit seiner engagierten Darbietung auf seiner Seite. In ihren Solo-Beiträgen bewegten sich beide auf nochmals gesteigertem Niveau.

Musik der Extraklasse, die renommierten Musiker präsentierten Meisterklasse, mit einigen Klangjuwelen an jedem Abend war der alte Kornspeicher für fünf Tage zu einer Konzertstätte geworden, mehrfache Zugabewünsche, „Standing ovations“ belegten die Begeisterung des Auditoriums für das Dargebotene. Ewald Gillig dankte Ekkehard Welkens für das großartige Engagement, dieser dankte dem Mühlenbesitzer für die Überlassung der idealen Räumlichkeit mit ihrem besonderen Flair und die bewährte Kooperation. Ein herzlicher Dank galt allen Sponsoren, die einen Beitrag geleistet haben, künstlerisches Schaffen braucht neben ideeller auch finanzielle Unterstützung. Nicht zuletzt Dank an ein Publikum, das die einmalige Chance der Darbietung hochkarätiger klassischer Musik im ländlich-strukturierten Raum auch intensiv zu nutzen verstand!

Es hat sich gelohnt dabei gewesen zu sein, so der ganz einhellige Tenor aller Besucher, die teils weite Anfahrtwege auf sich genommen hatten. Für viele ist bereits klar, dass ihre Terminplanung zum Jahresausklang 2008 erneut „Zwischen den Jahren – Kammermusik in der Antweiler Mühle“ heißen wird! So soll es sein – „man gönnt sich ja sonst nichts“!

Text und Photos: Dreschers

Ensemble Incendo und Wolfgang Böttcher, Streichinstrumente

Konstanze Jarczyk, Harfe

David Santos, Klavierbegleitung, und Tomasz Wija, Bassbariton

Georgi Cherkin, Klavier

Thomas Hartlieb, Klavier, und Wolfgang Auer, Querflöte

Ekkehard Welkens (li.) dankt Ewald Gillig symbolträchtig mit einem „Klavier“(-Feuerwerk)

Eis lagert sich auf dem Mühlrad ab

Gespannt warten die Besucher auf das Harfenkonzert

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