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Kunst in der Alten Mühle in Antweiler
DR. Drei Tage lang stand die Alte Mühle in Antweiler im Fokus Kunstinteressierter Besucher. Zum Pfingstwochenende hatte sich der alte Kornspeicher der aufwändig restaurierten Mühle im Eigentum des
Antweiler Müllermeisters Ewald Gillig, deren Anfänge auf das Jahr 1686 datiert werden, in ein Forum für Kunst verwandelt. Vier Künstler, vier Kunstrichtungen versprachen eine Menge Genuss und
Spannung für die Besucher! Zustande gekommen war die bemerkenswerte Ausstellung auf Initiative der Adenauer Künstlerin Andrea Orth. Die durch viele auch überregionale Ausstellungen bekannt gewordene
Künstlerin, die sich intensiv mit der Ockermalerei auseinandersetzt, betreibt in Adenau ein Atelier. Sie hatte die Kontakte zu den Künstlern hergestellt, im Vorfeld viele Gespräche gesucht und nach
intensivem Meinungsaustausch drei weitere Künstler zum Mitmachen gewinnen können. Waltraud Allkämper, freischaffende Keramikerin aus Kronenburg/Kyll, widmet sich der Formgebung in Keramik und dem
plastischen Gestalten in Ton. Sie bevorzugt das Arbeiten mit weißem unglasiertem Material, schafft beeindruckende Frauenkörper, die mit barock anmutender Körperüppigkeit Lebensfreude ausstrahlen,
vielleicht auch Verletzlichkeit erahnen lassen. Die kleinen weißen Gestalten scheinen zu tanzen und zu träumen, sie recken keck ihre Fäuste und Brüste in die Luft. Die auch kunstpädagogisch tätige
Keramikerin präsentierte einen kleinen Bildband mit dem Titel „Frauenskulpturen auf dem Westwall“, herausgegeben mit dem Blankenheimer Photographen Eddi Meier. In dem Band unternimmt die Künstlerin
den vielleicht provozierenden Versuch, eine Stätte des Krieges und des Schreckens mit dem Ambiente der Kunst umzugestalten. Jürgen Haloschan, ein Designer aus Höhr-Grenzhausen, zeigte ungewöhnliche
Kerzenlicht-Objekte, Skulpturen von beeindruckender Größe und Form. Der frei schaffende Designer ist in über 25 Ländern mit seinen Kerzenlicht-Objekten vertreten, sein Name ist mit bekannten
Wohnaccessoire-Linien verbunden. Seine Werke, die er vorwiegend aus Stahl arbeiten lässt, finden sich in bekannten Hotels und Restaurants sowie in Tagungsstätten. Bis zu vier Meter hoch sind einige
Unikate, bringen dabei stolze 350 kg auf die Waage. In Antweiler zogen farbige mannshohe Exponate und ein drei Meter hohes farbenfrohes Objekt, das die Kerze wie ein Gitterkäfig umgab, reges Interesse
der Besucher auf sich. Zeitgerechtes Wohnempfinden und aktuelle Designimpressionen vermittelten einen Eindruck von nicht alltäglicher Wohnkultur. Der Designer präsentierte auch ungewöhnliche Objekte
mit Namen wie „Herr Meier“ oder „Herr König“, die als skurrile Kerzenlicht-Objekte zum Schmunzeln anregten. Leider nicht persönlich anwesend war Renate Müller-Drehsen aus Aachen, deren
Ölgemälde bereits in nationalen wie internationalen Museen vertreten sind, Vorbereitungen für eine große Ausstellung in Spanien hatten sie an der persönlichen Teilnahme gehindert. Für Renate
Müller-Drehsen bedeutet der Umgang mit der Farbe den Prozess der Schöpfung intensiv zu empfinden. Den Bereich der körperlichen Malerei verlassend, gibt sie der Form Ausdruck im Spiel fließender
Farben, die etwa an die Bedeutung des Lichtes in der Naturheilkunde erinnern. Sie zeigte großformatige Gemälde aus ihrer Schaffensperiode … Andrea Orth, bekannt u.a. durch ihre Ausgestaltung von
Wohnräumen zu farbenfrohen und lebensbejahenden Wohnatmosphären, die die Leichtigkeit des mediterranen Lebensraumes widerspiegeln, zeigte beeindruckende Exponate aus ihrer gegenwärtig bevorzugten
Stilrichtung, die Elemente der frühzeitlichen Höhlenmalerei aufgreift. Zum Teil bewusst reflektiert, zum Teil von spontanen Ideeneingebungen geleitet, sucht und wagt sie bewusst das Experiment mit dem
faszinierenden Naturmaterial Ocker, das sie nach authentischen Rezepturen unter Einsatz von Ölen und Lavendelessenz verarbeitet. Die „Tableaux rustiques“, bei denen Naturocker und aufbereitetes
Marmorpulver zum Einsatz kommen, tragen nach handwerklicher Oberflächenbehandlung dem Wandel des Lichts in seiner tageszeitabhängigen Farbtemperatur optimal Rechnung, bringen die einzigartige Brillanz
und Farbenfrohheit des Ockers ansprechend zur Geltung. Der Journalist und Photograph Werner Dreschers begrüßte die Gäste, stellte die Künstler vor und erläuterte deren Arbeit. Er führte aus, daß
Kunst sich nicht in allfälliger Behaglichkeit und Gemütlichkeit verlieren dürfe, sondern die Herausforderung und Auseinandersetzung mit der Aussage des Künstlers verlange. Diese Herausforderung
anzunehmen, und den Dialog mit den Künstlern zu suchen, lud der Laudator die Gäste am Eröffnungsabend und den folgenden Pfingsttagen herzlich ein. Text und Photos: Dreschers Bildunterschriften:
Jürgen Haloschan, Andrea Orth, Waltraud Allkämper „Herr Meier“, ein skurril anmutendes Kerzenlicht-Objekt von Jürgen Haloschan Waltraud Allkämper: „Frauenskulpturen“ Ockergemälde von Andrea
Orth Der Kornspeicher der Alten Mühle war Veranstaltungsort der Kunstausstellung
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