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Mühlentag 2009

16. Deutscher Mühlentag, Fest in der Mühle Gillig in Antweiler

DR. Am Pfingstmontag ging es rund in der Alten Mühle in Antweiler. Etliche Hundert Besucher drängten sich den ganzen Tag über auf dem Gelände, wollten die Attraktionen des 16. Deutschen Mühlentages in Antweiler erleben. Deutsche Mühlentage werden seit 1994 regelmäßig am Pfingstmontag eines jeden Jahres durchgeführt. Mit diesem Tag der offenen Tür soll den Besuchern ein Einblick in das Innere von historischen Mühlen gewährt und gezeigt werden, mit welch einfacher und gleichzeitig in hohem Maße durchdachter Technik unsere Vorfahren umweltschonend Getreide vermahlten.

Historische Mühlen mit ihrer einfachen und gleichwohl genialen Technik wieder ins heutige Bewusstsein zu rücken, das ist ein Anliegen des Mühlentages. Heute existieren nur noch wenige Mühlen an der Oberahr, eine von ihnen ist die Mühle, die im Eigentum von Ewald Gillig, dem Müllermeister aus Antweiler, steht. „Der Müller“ sagen seine Freunde und Bekannten zu ihm, Ewald Gillig führt die Mühle in der vierten Familiengeneration. „1686“ lautet eine Inschrift an einem Türsturz am Eingang zur Mühle, dieses Jahr gilt als Beginn der Müllerei in Antweiler. Ein Wappen des Herzogs von Arenberg deutet auf den ursprünglichen Herrn hin. Nach der Auflösung des Herzogtums Arenberg gelangte die Mühle zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz Vorher befand sich an der Stelle eine Eisenverhüttung, wie auch in Ahrhütte und in Stahlhütte/Dorsel. Ausdrucksstarke und heute teils noch gut erhaltene Takenplatten entstanden seinerzeit „Auf der Hütte“, wie auch heute noch der Straßenname lautet. Anlässlich des 10. Deutschen Mühlentages wurde die Mühle vor einigen Jahren der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Der jetzige Besitzer, Müllermeister Ewald Gillig, der die Mühle von seinem Vater Peter Gillig übernahm, vermahlte noch bis 1976 dort Getreide. Seit 1913 wird die Wasserkraft ebenfalls zur Stromerzeugung mittels einer Francis-Turbine genutzt, es wird Strom in das Leitungsnetz der RWE eingespeist. Die Mühle stand einige Jahre still, bis sie vor einigen Jahren wieder funktionsfähig hergerichtet wurde. Seit dem Mühlenfest im Jahre 2005 läuft ein neues Wasserrad im Mühlgraben, welches nach alten Vorgaben und alter handwerklicher Tradition aus Eichenholz gebaut wurde. Der neu gestaltete Vorplatz am Wasserrad lädt den Mühlengast zum Verweilen ein.

Jede Mühle hat ihre besondere Geschichte. Das Müllerleben ist durchaus von Emotionalität geprägt, wie ein in der Mühle befindlicher Satz verdeutlichen mag „Das Müllerleben hat Gott gegeben, doch das Steine schärfen und das Mahlen bei Nacht, das hat der Teufel erdacht“, lautet der Spruch , der die schwere Arbeit in der Mühle verdeutlichen mag. Und an anderer Stelle gibt ein Gedicht „Der Müller Ruhmlied“ eine Vorstellung von der Bedeutung der Müllerei.

Am Pfingstmontag war auch das vor einigen Jahren neu installierte Wasserrad wieder Magnet für die Zuschauer. In alter Handwerkstradition wurde es aus altem Eichenholz gebaut, ein echtes Prachtstück, ein Wunschtraum, den sich der engagierte Müllermeister Ewald Gillig erfüllt hat. Ewald Gillig war bedauerlicherweise diesmal krankheitsbedingt nicht anwesend, sein Sohn Peter vertrat ihn.

Lehrreiches für Kinder gab es in Form ausgestopfter Tiere der Heimat, und wer lieber lebendige Tiere streichelte, konnte dies bei Meerschweinchen, jeder Menge niedlicher Karnickelchen, den Ziegen und Schafen tun („Mach die Mäh mal ei…“). Und die Stuten „Wanda“ und „Happy“ luden manches Kind zu einem Ausritt über die Ahrwiese ein, ebenso ein Schafbock namens „Herbert“.

Was gab es noch? Eine Reihe weiterer Programmpunkte war angesagt, beliebt waren die stündlichen Mühlenführungen, die das Funktionieren des Mühlenbetriebes im laufenden und voll funktionstüchtigen Betrieb praktisch verdeutlichten. Viele interessierte Fragen wurden vor Ort beantwortet.

Norbert Raths gab vormittags Erklärungen zu den Bildstöcken rund um Antweiler, diese wurden von einer Reihe Wissbegieriger unter seiner Führung erwandert.

Die Adenauer Künstlerin Andrea Orth hatte im Alten Kornspeicher einen repräsentativen Querschnitt ihrer Werke aufgeboten, Ockermalerei und Eindrücke aus der Provence waren einige der Themen der Bilder. Für die Kinder gab es das beliebte Kinderschminken.

Nicht zuletzt bestimmte Musik den Ablauf des Mühlenfestes. Das „Blasorchester Stadt Adenau“, die „Swinging Youth Band“, eine Ausbildungskooperative mehrerer regionaler Blasorchester, der „Musikverein Baar-Wanderath“ und das „Blasorchester Hönningen“ wetteiferten in Sachen volkstümlicher und Schlager-Musikdarbietung, mit Moderation.

Der Mühlentag war erneut ein voller Erfolg, darüber waren sich alle Besucher einig, und Ewald Gillig freute sich auch vom Krankenbett, dass die alte Mühle und das neue Wasserrad wieder so viel Begeisterung fanden Schön, dass die Mühlengeschichte in Antweiler sorgfältig erhalten bleibt und gepflegt wird, mit dem neuen Wasserrad wurde auch bereits ein Stück Geschichte für die Nachfahren begründet.

Der Erlös des Festes wird der musikalischen Ausbildung von Jugendlichen der „Limbachtaler Musikanten“ und dem „Swinging Youth Orchester“ zugewendet. Dank galt allen, die sich mit eingebracht hatten, den vielen Helferinnen und Helfern, nicht zuletzt der Mannschaft, die sich intensiv um die gute Beköstigung der zahlreichen Gäste gekümmert hat. Eingeladen hatten Familie Gillig und die „Limbachtaler Musikanten“, die an diesem Tage auch Ehrungen vornahmen (siehe eigener Bericht).

Text und Photos: Dreschers

Bildunterschriften:

Die „Swinging Youth Band“, eine Ausbildungskooperative regionaler Musikvereine

Die Mühle ist noch voll funktionstüchtig

Was mag da nur drin sein?

Das Innenleben der Mühle ist ein komplexes System

Reges Zuschauerinteresse beim 16. Deutschen Mühlentag in der Antweiler Mühle

Hinweistafeln erläuterten z.B. die Mahl- und Schrotgänge

Gut besucht war das Mühlenfest, eine bewährte Einrichtung

(11.6.09)

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