|
Werner Labbé – zum 100. Geburtstag
„vita somnium breve“ – „das Leben ist ein kurzer Traum“
DR. In diesem Jahr hätte der bekannte Zeichner, Graphiker und Illustrator Werner Labbé sein 100. Lebensjahr vollendet, er starb, fast 80-jährig, am 3. April 1989. Sein Grab ist auf dem Friedhof von Antweiler, nahe
dem Ehrenmal der Gemeinde. Werner Labbé weilte oft in Antweiler bei Freunden.
Werner Labbé kam am 3. Juli 1909 als 11. Kind von gesamt 13 Kindern zur Welt, als Sohn eines Kunstschmiedes. Nach einer Lehre als Lithograph studierte er an der Kunsthochschule Krefeld. Seine ersten Plakatentwürfe
entstanden in seiner Zeit als Angestellter einer Wuppertaler Plakatdruckerei. Entscheidenden Einfluß auf sein künstlerisches Werden hatte sein dreijähriger Aufenthalt in Paris, ab 1933 entstanden dort
Illustrationen und Gebrauchsgraphiken, Werner Labbé unternahm Reisen nach Italien, nach Nordafrika. Er machte in Paris die Bekanntschaft mit André L’hote, dem Theoretiker der französischen Moderne. Cocteau,
Léger und weitere französische Maler und Schriftsteller zählten bald zu seinem Bekanntenkreis.
1936 kehrte Werner Labbé zurück an den Niederrhein, kam in Kontakt zu den Künstlern des Jungen Rheinlands, sein Aufenthalt in der Heimat währte vier Jahre. Die Schrecken des Krieges erfuhr Labbé in Rußland,
später in der Normandie, er wurde kriegsverwundet. In Stalingrad entstand seine Skizze „Urlaub“; der Tod als Marionettenspieler dirigiert an langen Fäden einen Soldaten, der seine Liebste umarmt, ein
bemerkenswertes Werk, das die Sinnlosigkeit des Krieges und die persönliche Betroffenheit Labbés veranschaulicht. In der amerikanischen Gefangenschaft in Compiègne lernte er später Heinrich Böll kennen, für
den er in weiteren Jahren manche Illustrationen fĂĽr Buchtitel fertigte.
Nach Kriegsende weilte Labbé in Köln. Hier schuf er Kontakte zu bekannten Buchverlagen wie Kiepenheuer & Witsch, Fischer, Droste und der Frankfurter Gilde. Er illustrierte u.a. Bücher von Heinrich Böll,
Annette Kob, Heinrich Maria Remarque und Honoré de Balzac. Für fünf Jahre nahm er einen Lehrauftrag am Städtischen Kunst-Institut in Frankfurt am Main an, am „Städel“.
In Paris und in Mönchengladbach, in den Jahren 1965/66 stellte Werner Labbé Werke aus, die während eines Aufenthaltes in der Provence entstanden waren.
Abseits städtischer Einflüsse fand Werner Labbé in den Jahren 1965 -1975 in einem einsamen Ardennendorf in Belgien Ruhe und Muße für seine Malerei und Graphik. Während dieser Zeit lernte er den Galeristen
Werner Kocken aus Kevelaer kennen, mit dem ihn später Freundschaft verband. Spanische Landschaften und die Folklore des Landes waren Sujets während seines Spanienaufenthaltes in den Jahren 1975 – 1977. Die
letzen zehn Lebensjahre verbrachte Werner Labbé erneut in seinem Ardennendorf, in dessen Muße und Beschaulichkeit es ihn wieder gezogen hatte. Sein Todestag ist der 3. April 1989.
Aus Anlaß des 100. Geburtstages lädt der Kunstförderverein EifelArt in die Alte Mühle nach Antweiler ein, am 12. September ist die Vernissage um 17:00 Uhr. Die Ausstellung des Malers, Graphikers und Illustrators
dauert bis zum 20. September. Bilder des Lebens, eingefangen in Stimmungen und Symbolen sind Gegenstand der Ausstellung. Manche geläufige Gebrauchsgraphik wird der Betrachter im Zusammenhang mit Labbé wieder
erkennen, ja, auch das Logo von „Kaiser’s Kaffee“ stammt beispielsweise von ihm, darüber hinaus hat er zahlreichen Gebrauchsgraphiken Leben eingehaucht, ihnen ein unverwechselbares Gesicht gegeben. Zahlreiche
Buchumschläge der Werke bekannter Autoren wie des bereits genannten Heinrich Böll hat der Meister gestaltet. Viele bekannte Literaturausgaben hat Werner Labbé illustriert, sie werden, aus Sammlungen
zusammengestellt, in der Antweiler MĂĽhle gezeigt, so Illustrationen zu Titeln von Alphonse Daudet, Friedrich DĂĽrrenmatt, E.T.A. Hoffmann, Gustave Flaubert, Astrid Lindgren, Guy de Maupassant, Ephraim Kishon, Carl
Zuckmayer. Oftmals erscheinen die Arbeiten von Werner Labbé eher subtil, sie sind unprätentiös, ihre faszinierende Wirkung auf den Betrachter üben sie gleichwohl aus.Sie haben Akzente gesetzt.
Werner Labbé ist der Mann, der dem deutschen Buch nach der Befreiung ein neues Gesicht gegeben hat“, heißt es in einem Beitrag von André Schmitt im „Rheinischen Merkur“.
Werner Labbé hat brillante Zeichnungen hinterlassen, sie vermitteln Eindrücke seiner Reisen und seiner Aufenthalte an vielen Orten der Erde. Biblische und antike Themen und Gestalten, etwa Goliath, Samson oder
Salome hat er dargestellt, auch auf Sagen und Märchen hat er zeichnerisch zugegriffen. Bis ins hohe Alter hat Werner Labbé nichts von seiner Schaffenskraft verloren, seine Phantasie hat ihn bis zuletzt begleitet,
für ihn war das Leben ein kurzer Traum – „vita somnium breve“…
Die Ausstellung verschafft einen Überblick über das Leben und das Werk des Künstlers. Geöffnet ist die Ausstellung freitags von 17.00 -19.00 Uhr, samstags und sonntags von 15.00 -18.00 Uhr. In der Ausstellung ist
die limitierte Jahresausgabe des Kunstfördervereins „Clown mit Mandoline“ zu erwerben (à 45,- €).
Eine musikalische Reise von Ost nach West, eine Musikdarbietung der Extraklasse auf einem Zimbaly, findet im Rahmen der Ausstellung am 19. September um 19.30 Uhr statt, ebenfalls in der Alten MĂĽhle in Antweiler.
Tatjana Berke, Weibern, spielt klassische Werke, Volksweisen und zeitgenössische Musik, Eintrittskarten (à 8,- €) im Vorverkauf über Buchhandlung Rees, Adenau, Hauptstraße 100.
Ausstellung und Konzert sind Programmpunkte des Kunstfördervereins EifelArt, der herzlich zum Besuch einlädt.
Text: Dreschers
(8.9.09)
|