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„Zwischen den Jahren 2008“ – Kammerkonzert setzte erneut Akzente
DR. Weit über die Grenzen der Region ist die Kammermusikreihe „Zwischen den Jahren“ zum Begriff geworden, das von Ekkehard Welkens aus Aremberg als Initiator ins Leben gerufene Musikfestival wurde
von ihm auch in der 4. Auflage mit großem Erfolg organisiert. An jedem der fünf Abende war der alte Kornspeicher der Antweiler Mühle, die im Eigentum von Müllermeister Ewald Gillig steht, nahezu
ausverkauft.
Das „Ensemble Incendo“ und Florian Heidenreich, Bass, und Dinara Muratova, Viola, eröffneten das diesjährige klassische Musikerlebnis mit dem Quartett in Es-Dur KV 428 von W. A. Mozart (1756-1791).
Das Werk ist inspiriert vom musikalischen Schaffen von Joseph Haydn (1732-1809), dem Mozart das Quartett in freundschaftlicher Verbundenheit gewidmet hat. Insbesondere die „Russischen Quartette“, op.
33 des fast ein Vierteljahrhundert älteren Vorbildes haben den jungen Mozart offenbar angeregt das elegante Werk mit dem sprühenden Humor des dem Älteren zu eigenen zu komponieren. Um eine Bearbeitung
der 1779 in Salzburg entstandenen „Sinfonia Concertante (KV 364)“ handelt es sich bei dem „Gran Sestetto Concertante“ in Es-Dur eines anonymen Arrangeurs. Ein Werk symphonischer Dimension wurde
durch die Bearbeitung zu einer Kammermusik gestaltet, die in ihrer Schönheit das Mozartsche Original keineswegs verringert, sondern in ein anderes, intimeres und konzentriertes Licht rückt, wie David
Santos es beschreibt. David Santos hat in dem anspruchsvoll und lehrreich verfassten Begleitheft zum Kammerkonzert ausgesprochen lesenswerte Texte verfasst, der Musiker, der in den Vorjahren selbst auf
der Bühne agierte, hatte diesmal den Part des Musikwissenschaftlers eingenommen, in zwei Vorträgen das Publikum wissenschaftlich und doch gut verständlich auf die Kompositionen des jeweiligen Abends
eingestimmt, das Publikum nahm die Moderation dankbar an. Begeisterter Applaus für die Mitglieder des „Ensemble Incendo“, an diesem Abend aus Stefan Hempel, 1. Violine, Marie Kogge, 2. Violine,
Manon Gerhard, Viola, Ehrengard von Gemmingen, Cello, und Tahmina Feinstein, Klavier, bestehend. Florian Heidenreich, Bass, und Dinara Muratova, Viola, boten gleichfalls voll Überzeugendes.
Den zweiten Abend bestritten wiederum Mitglieder des „Ensemble Incendo“ sowie Florian Heidenreich, Bass, Konstanze Jarczyk, Harfe, Peter Geisler, Klarinette und Wolfgang Auer, Querflöte. Werke von
Camille Saint-Saens (1835 1921), Pierre-Octave Ferroud (1900-1936), Eugène Ysaye (1858-1931), Claude Debussy (1862-198), Gabriel Fauré (1845-1924) und Maurice Ravel (1875-1937) bestimmten den
Sonntagabend. Französische Musik der Jahrhundertwende hieß die Überschrift. Wie im Vorjahr zog Konstanze Jarczyk mit ihrem Harfenspiel die Begeisterung des Auditoriums auf sich. Die Fantaisie für
Harfe op. 95 von Saint-Saens gilt als Höhepunkt des Solorepertoires für das Instrument. Breit-majestätische Passagen wechseln mit tänzerisch-leichten und volkstümlichen Themen. Vielfältige
Klangfarben und die Ausnutzung der vollen dynamischen Palette des Instrumentes bewirken ein fast orchestrales Klangspektrum. Einen glanzvollen Auftritt hatte auch Wolfgang Auer mit den „Trois Pièces
pour Flutes“ von Ferroud. Der elegante Stil des Werkes drückt verschiedene Stimmungen differenziert aus, fußt thematisch auf der Geschichte um einen chinesischen Helden. Auf den Wettstreit zweier
Pariser Musikhäuser gehen die Werke von Debussys „Danse Sacrée et Danse Profane“ und das Ravel’sche Werk „Introduction et Allegro“ mit seinem raffinierten Klangsinn zurück. Debussy hatte
sein Auftragswerk für die chromatische Harfe von Pleyel geschrieben, Ravel hatte für eine Aufführung mit der Doppelpedalharfe nach dem System von Érard komponiert. Die Doppelpedalharfe entwickelte
sich später zum Standard, der erhebliche Stimmungsaufwand der chromatischen Harfe erwies sich als Handicap.
„Zwischen den Jahren 2008“ - Teil II
Impressionismus bestimmte auch den driiten Abend, der von Astrid Kessler, Sopran, Tobias Hartlieb, Klavier, und Wolfgang Auer, Querflöte, gestaltet wurde. Leo Delibes (1836-1891), Léon Moreau
(1820-1946), Maurice Emmanuel (1862-1938), André Caplet (1878-1925), Albert Roussel (1869-1937) standen auf dem Programm. Ebenso, neben Claude Debussy und Maurice Ravel, wurden Stücke von Leo Sachs
(1856-1930), Jan Brandts Buys (1868-1933) und Cécile Chaminade(1862-1944) aufgeführt. „Rossignol“ hieß der markante Auftakt, das Werk von Leo Delibes hat den Gesang der Nachtigall im Frühjahr zum
Gegenstand, huldigt dem Thema Liebe, ähnlich widmete sich Léon Moreau in seiner „Sérénade“. Lyrik und Liebe, Poesie und verträumter Zauber, ja eleganter Charme machten den Abend aus, ein
Erlebnis der besonderen Art, wie die Zuhörer letztlich empfanden; lang anhaltender Applaus, besonders die Sopranistin Astrid Kessler hatte sehr rasch den Nerv der Zuhörer getroffen, ja deren Herz mit
ihrer zauberhaften Stimme erobert…
Kein Kammerkonzert in Antweiler ohne einen Schubert-Abend, Ekkehard Welkens kennt den Wunsch der Zuhörer, die teils von weit her angereist waren, und trägt ihm gerne Rechnung. Viele Zuhörer sind seit
dem ersten Konzert im Jahre 2005 Stammgäste! Tahmina Feinstein, Klavier, und Florian Heidenreich, Bass, waren die Protagonisten mit den „Ensemble Incendo“- Mitgliedern Stefan Hempel, Violine, Manon
Gerhard, Viola und Ehrengard von Gemmingen, Cello. Zu Beginn erklang das Trio für Klavier, Violine und Violoncello in Es-Dur op. 100 – D 929 des berühmten Wieners (1797-1828). Schuberts op. 100
entstand ein Jahr vor seinem frühen Tod. „Die Fülle und Mannigfaltigkeit der thematischen Einfälle…- und ein ungemein breites Ausdrucksspektrum“ bescheinigt David Santos dem Werk.
Publikumseingängiger war sicher noch das so genannte „Forellenquintett“, in A-Dur, op. posth. 114 – D 667, eines der bekanntesten Werke Schuberts. Das fünfsätzige Werk enthält, Namen
bestimmend, eine Variationsreihe über das Schubert-Lied „Die Forelle“. Bemerkenswert ist die ungewöhnliche Besetzung mit Klavier und den vier Streichinstrumenten inklusive des Kontrabasses statt
zweier Violinen, Viola und Cello. Das Werk entstand auf Anregung des Musikmäzens Sylvester Paumgartner, dem es auch gewidmet ist. Lang anhaltender Applaus belohnte die meisterliche Leistung der
Kammermusiker.
War die klirrende Kälte zwar gut für ein malerisches Bild des mit Eis überzogenen Mühlrades, so schlug die Witterung am Sylvesterabend mit überfrierendem Regen zu, hinderte manchen Musikliebhaber am
Besuch des Schlusskonzertes; die trotz des Ungemachs Unentwegten wurden umso mehr belohnt mit einem Klavierabend par excellence, der das Genie von Tobias Hartlieb herausstellte. Der Pianist ist bereits
mehrfach bei „Zwischen den Jahren“ aufgetreten. Joseph Haydn (1739-809) mit der Sonate in C, Hob XVI:50 und Robert Schumann (1810-1856) mit der Humoreske, op. 20, stimmten in den Jahresausklang ein.
Höhepunkt für das Publikum dürften aber die „Bilder einer Ausstellung“ des russischen Komponisten Modest Mussorgsky (1839-1881) gewesen sein. Der Komponist war vom Geist des Volkslebens seiner
Heimat inspiriert. Die Idee zu dem programmatischen Zyklus erwuchs Mussorgsky anlässlich des Besuchs einer Ausstellung seines verstorbenen Freundes Hartmann, eines Architekten und Malers. Der Komponist
steht dem ästhetischen Spiel der Impressionisten mit Licht und Farbe eher gleichgültig gegenüber, er ist gefangen vom pittoresken Alltagsszenario der russischen Folklore, von ihrer Direktheit, von
ihrem Zug ins gelegentlich Dämonische. Zehn Bilder beanspruchten die Phantasie des Komponisten, im Einklang mit der „Eröffnungspromenade“ und deren Variationen beim fortlaufenden und überleitenden
Betrachten der Bilder verschmelzen sie zu einer dramaturgischen Einheit. Die heute so populären „Bilder einer Ausstellung“ fanden zu Lebzeiten Mussorgskys kaum Beachtung. Zahlreiche Bearbeitungen
sind indes später entstanden, von denen die orchestrierte Version aus dem Jahre 1922 nach Maurice Ravel das Original für Klavier solo zweifelsohne an Popularität übertrifft. Gewidmet ist der
Klavierzyklus, schlechthin das Musterbeispiel für Programmmusik, dem Kunstkritiker Wladimir Stassow, einem gemeinsamen Freund von Mussorgsky und Hartmann. Bildreich und überaus spannend entwickelt sich
das Werk von Satz zu Satz, rhythmische Raffinesse, aufgewühlte Gefühle und emotionsgeladene Klagen, poetische Farbigkeit steigern sich bis zum gewaltigen Finale, der Prozession durch das „Heldentor
von Kiew“. Hier wird der mächtige, fast theatralische Schluß des Werkes eindrucksvoll markiert, untermalt gar mit triumphalem „Glockengeläut“.
Organisator Ekkehard Welkens dankte allen, die das Kammerkonzert auch in vierter Folge zu einem beeindruckenden Erlebnis habe werden lassen, zahlreiche Förderer, institutionelle wie private, haben dazu
beigetragen, daß das Konzert durch höchst anspruchsvolle Besetzung seinen guten Ruf unter Beweis stellen konnte. Ohne intensive Unterstützung, das stellte Ekkehard Welkens deutlich heraus, kann die
Kammermusikreihe zukünftig nicht mehr auskommen. Bedenkt man die Wertschöpfung, die für touristische Betriebe, für Gastronomie und Hotelgewerbe entsteht, so verdient das Projekt jedenfalls intensive
Beachtung und Unterstützung aus dem kommunalen wie touristischen Sektor, auch der Imagegewinn für die Region ist zweifelsohne beträchtlich!
Besonderer Dank galt wiederum dem Hausherrn der Mühle, Ewald Gillig, für die Überlassung des alten Kornspeichers. Dank sagte der Veranstalter für das Entgegenkommen der Gemeinde Antweiler bei der
Überlassung der Räume des Gemeindehauses. Die private Initiative hat die Konzertreihe weit über die Grenzen der Verbandsgemeinde hinaus bekannt gemacht, als anspruchsvollen musikalischen
Jahresausklang etabliert, geradezu als ein „Muß“ für Musikkenner und -liebhaber. Ekkehard Welkens, dem Anerkennung für seine private Initiative gebührt, beabsichtigt im kommenden Jahr junge
Musikerinnen und Musiker aus den Schulen verstärkt mit der Kammermusikreihe in Kontakt zu bringen, sicher ein pädagogisch lohnenswertes Unterfangen. Auch im kommenden Jahr wird die Alte Mühle also
wieder Kammermusik auf höchstem Niveau präsentieren, darf man sich auf neue unvergessliche musikalische Momente freuen!
Text und Photos: Dreschers
Bildunterschriften:
Mitglieder von „Ensemble Incendo“ mit Florian Heidenreich (2.v.l.) und Dinara Muratova (3. v. l .)
Klirrende Kälte ließ das Eis auf dem Mühlrad wachsen
Mitglieder von „Ensemble Incendo“, mit Konstanze Jarczyk (re.), Wolfgang Auer (2. v. re.) und Peter Geisler (3. v. re.)
Tobias Hartlieb, Astrid Kessler, Wolfgang Auer
Ehrengard von Gemmingen, Tahmina Feinstein, Manon Gerhard, Florian Heidenreich, Stefan Hempel
Tobias Hartlieb, Klavier
Astrid Kessler, Sopran
(31.12.09)
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